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Sie sind hier: Startseite Angela Wäffler-Boveland 2011 Juni 14 „Leas Augen waren zart“ (Gen 29,17)

„Leas Augen waren zart“ (Gen 29,17)

von Angela Wäffler-Boveland — Letzte Änderung 14.06.2011 09:42
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Das ist die wörtliche Übersetzung des hebräischen Textes. Aber was sind „zarte Augen“? Die meisten Interpretationen stellen sich etwas Unattraktives darunter vor: matt, glanzlos, als sei Lea geistig ohne Interesse, oder kurzsichtig, schielend, als sei Lea körperlich eingeschränkt. Daneben steht die strahlende, vitale Schönheit Rahels.

Einzig die Bibel in gerechter Sprache deutet dieses „Zarte “ als „zärtlich“. Damit bekommt die Geschichte eine neue Wendung. Stellen Sie sich vor: als Jakob zu seinem Onkel Laban kommt, verliebt nicht nur er sich in Labans jüngere Tochter Rahel. Zugleich verliebt sich Lea in Jakob. Dass sie ihn zärtlich anblickt, merkt er nicht. Dafür merkt Vater Laban, wie zärtlich Leas Augen auf Jakob blicken. Lea tut alles, damit ihre Liebe erwidert wird. Hat sie den Vater gebeten, ihr zur Ehe mit Jakob zu verhelfen? Dann wäre das ein autonomer, emanzipierter Weg im Rahmen der damaligen Möglichkeiten! Laban will Lea zu ihrem Liebesglück verhelfen und verheiratet sie vor Rahel mit Jakob. So bekommt auch der Betrug an Jakob seinen väterlich-fürsorglichen Sinn.

Und Leas Liebe wird reich mit Kindern gesegnet, während Schönheit für ein glückliches Leben letztlich doch nicht genügt...(Gen 30,1-3)

 

Artikelaktionen

Zarte Augen - "kuhäugig"?

Kommentar von Dieter Bauer am 14.06.2011 22:11
Mir gefällt diese Variante der "Bibel für gerechte Sprache" ganz ausgezeichnet. Und ich war schon immer der Ansicht, dass es im Text nicht darum geht, dass die eine Schwester schön und die andere hässlich war. Ich habe den Text immer so verstanden, dass eben Leas Augen das Besondere an ihr waren. Und bei Rahel war es eben die Figur. Und wer nicht ggnz kurzsichtig ist als Mann, weiss, dass die Figur sich ändert mit der Zeit, die Augen aber kaum ;-)
Im Übrigen kenne ich noch die Übersetzung "kuhäugig" (Thomas Mann?). Damit können wir Städter heute vielleicht weniger anfangen. Aber wer einer Kuh schon einmal tief in die Augen geschaut hat ...

hochdramatisch

Kommentar von Thomas Markus Meier am 15.07.2011 16:49
Hochdramatisch die Lea - Rahel-Geschichte. Leas zärtlicher Blick für mich zu lesen als Lea warf eine Auge auf Jakob. Der sah aber nicht den verliebten Blick der Älteren, sondern MANN lese genau: Er warf einen Blick auf die FIGUR der Jüngeren...
Ein verrückte dramatische Nacherzählung von Stefan Zweig: Wie beide Frauen im gleichen Zelt die Hochzeitsnacht erleben, und Rahel quasi Leas Stummheit synchronisiert!
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