„Wie“ bedeutet in der Bibel: „so nicht“.
In einem Beitrag über die Taufe Jesu nach Markus gelesen: „In der Tauferzählung fährt er [sc. der Geist] in der Gestalt einer Taube auf Jesus nieder.“ Das steht aber so nicht da!
Im Markustext steht weder etwas von der „Gestalt einer Taube“, noch vom „Herniederfahren“. Genau genommen steht nicht einmal da, dass der Geist dies getan habe, sondern nur, dass Jesus etwas „sah“, nämlich: „den Geist wie eine Taube herabsteigend auf ihn“. Diesem „Herabsteigen“ des Geistes aus den Himmeln entsprach das „Heraufsteigen“ Jesu aus dem Wasser. Da übersetzt man auch nicht „herausfahren“.
Was ich aber am Bedenklichsten finde: Jesus sieht den Geist herabkommen wie eine Taube. Das „wie“ bezieht sich sicher nicht auf die Gestalt, sondern auf das Herabkommen, ist also wesentlich offener für Tauben-Assoziationen. M. E. wird hier mit dem Motiv der Liebesboten der Göttin auf die Liebesbeziehung Gottes mit dem Menschen Jesus von Nazaret angespielt, der in V. 11 auch tatsächlich als „der Geliebte“ angesprochen wird. Wilhelm Willms hat einmal im Zusammenhang mit dem Geist und Maria formuliert: „Er kommt auf Taubenfüssen dich zu grüssen.“
Dieses „wie“ ist in der Apokalyptik sehr geläufig und hält etwas offen, an das man sich nur assoziativ annähern kann, weil man es nicht genauer weiss. Eigentlich heisst „wie“: „so (sicher) nicht, aber so ungefähr“. Wenn ich es vereindeutige, indem ich ihm „Gestalt“ verleihe, wie es Maler (und Übersetzer) gerne tun, mache ich das Bild kaputt.


Wie sonst ins Bild bringen
Übrigens habe ich auch gelesen, dass in der katholischen Kirche im 18. Jh. jede andere Geistdarstellung verboten worden sei!