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„Wie“ bedeutet in der Bibel: „so nicht“.

von Dieter Bauer — Letzte Änderung 02.02.2012 16:47
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In einem Beitrag über die Taufe Jesu nach Markus gelesen: „In der Tauferzählung fährt er [sc. der Geist] in der Gestalt einer Taube auf Jesus nieder.“ Das steht aber so nicht da!

Im Markustext steht weder etwas von der „Gestalt einer Taube“, noch vom „Herniederfahren“. Genau genommen steht nicht einmal da, dass der Geist dies getan habe, sondern nur, dass Jesus etwas „sah“, nämlich: „den Geist wie eine Taube herabsteigend auf ihn“. Diesem „Herabsteigen“ des Geistes aus den Himmeln entsprach das „Heraufsteigen“ Jesu aus dem Wasser. Da übersetzt man auch nicht „herausfahren“.
Was ich aber am Bedenklichsten finde: Jesus sieht den Geist herabkommen wie eine Taube. Das „wie“ bezieht sich sicher nicht auf die Gestalt, sondern auf das Herabkommen, ist also wesentlich offener für Tauben-Assoziationen. M. E. wird hier mit dem Motiv der Liebesboten der Göttin auf die Liebesbeziehung Gottes mit dem Menschen Jesus von Nazaret angespielt, der in V. 11 auch tatsächlich als „der Geliebte“ angesprochen wird. Wilhelm Willms hat einmal im Zusammenhang mit dem Geist und Maria formuliert: „Er kommt auf Taubenfüssen dich zu grüssen.“
Dieses „wie“ ist in der Apokalyptik sehr geläufig und hält etwas offen, an das man sich nur assoziativ annähern kann, weil man es nicht genauer weiss. Eigentlich heisst „wie“: „so (sicher) nicht, aber so ungefähr“. Wenn ich es vereindeutige, indem ich ihm „Gestalt“ verleihe, wie es Maler (und Übersetzer) gerne tun, mache ich das Bild kaputt.

Artikelaktionen

Wie sonst ins Bild bringen

Kommentar von Brigitte Schäfer am 04.02.2012 15:52
Ja das "wie" ist gewiss wichtig, aber das Bild der Taube auch. Wie soll sonst ein Maler den Geist ins Bild bringen? Ich habe mich damals, als ich am schreiben des WerkstattBibel-Bandes "Im Kraftfeld des Geistes" war, mit diesen Tauben-Geist-Darstellungen beschäftigt und gelesen, dass über die Jahrhunderte das "Herabkommen" der Geist-Taube immer wieder perspektivisch anders dargestellt wurde, so dass sich, wenn man ein "historisches Daumenkino" aus den Bildern machen könnte, ein ganz interessanter Bewegungsablauf ergäbe. Daraus liesse sich die Entwicklung einer Geist-Bild-Theologie erschliessen.
Übrigens habe ich auch gelesen, dass in der katholischen Kirche im 18. Jh. jede andere Geistdarstellung verboten worden sei!

Wie sonst ins Bild bringen

Kommentar von Peter Zürn am 05.02.2012 16:27
Die umfassende Zusammenstellen von Geist-Darstellungen, ein immenses Nachschlagewerk - leider zusammen mit einem sehr konservativen Kirchenbild: Michaela Christine Hastetter, Pneumatologische Bildpastoral. Neue Zugänge zur Seelsorge mit Heilig-Geist-Bildern, Regensburg 2011, 1060 S.
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