Mein Gottesexperiment
Mich treibt schon lange etwas um: Kann man das Wort "Gott" nicht auch durch "das Leben" ersetzen? Und könnte das nicht theologisch sogar produktiv sein?
Vor ca. drei Jahren hatte ich eine erzwungene "Auszeit" von drei Wochen im Krankenhaus. Vier Männer aus drei Nationen von 30-70 auf einem Zimmer. Für viele vielleicht eine Horrorvorstellung (Ja - alle haben geschnarcht!) - für mich eine ganz wichtige positive Erfahrung. Jedenfalls hatte ich u. a. intensive Gespräche mit einem 70jährigen Bettnachbarn, der auf Grund seiner Lebensgeschichte meinte, nicht mehr "Gott" sagen zu können. Sein Problem: "Wem soll ich für mein Leben danken?" - und er hatte wirklich schlimme Schicksalsschläge zu verkraften gehabt.
Da kam mir die Idee: "Danken Sie doch einfach dem Leben."
Ich habe es inzwischen immer wieder selber versucht: Wenn mir eine theologische Gottes-Aussage seltsam vorkam, habe ich Ersetzung versucht. Meistens ist es erhellend: z. B. "Gott ist ungerecht." - "Das Leben ist ungerecht."
Ich glaube auch, dass Gottesferne sehr gut mit Lebensferne übersetzt werden kann. Aber ich bin noch ganz am Anfang mit meinem Gottesexperiment.


deklinieren
Was ist etwa Lebensferne? Umgangssprachlich verstehe ich darunter jemanden, der seinen Alltag nicht in den Griff kriegt, keinen Kaffe kochen kann, in ungeklärten Beziehungen herumschlittert, Gelegenheiten, ein Geschäft zu machen, nicht packt usw.
Gottesferne dagegen verstehe ich in die Richtung: nicht den eigenen Weg gehen, nicht authentisch sein, Verantwortung nicht übernehmen.
Nein, Gott und Leben sind nicht das gleiche ... aber auch nicht ganz verschieden. Gott sei dank! .... dem Leben auch!