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Mein ist die Rache

von Dieter Bauer — Letzte Änderung 26.05.2011 23:56
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Ein ärgerliches Missverständnis ist nicht auszurotten: Der rächende Gott

In einem ansonsten guten Artikel im "Tagesanzeiger": "Warum Rache nicht süss ist" habe ich heute (wieder einmal) gelesen zu "Mein ist die Rache, spricht Gott" (Röm 12,19; Hebr 10,30; vgl. Dtn 32,35.41): "Man muss das Richten nicht gleich an Gott delegieren. In weltlichen Zeiten genügt dafür auch ein funktionierender Rechtsstaat." Zum einen meine ich, dass das in biblischen Zeiten genau das Problem war, dass es diesen Rechtsstaat nicht gab. Andererseits hat es noch nie einen Gott gegeben, der Rache übte. Wieso ist dieses Fehlurteil einfach nicht auszurotten? Ich bin inzwischen massiv für ein Moratorium der Rede von/über "Gott". Wenn es irgendwie geht, ersetze ich den Begriff "Gott" durch "das Leben"; und ich habe meist gute und verblüffende Erfahrungen gemacht. Die Pointe des Bibelwortes scheint mir doch zu sein: 1. Es ist nicht Sache von Menschen, Rache zu üben. 2. Verlasst euch darauf, dass Gerechtigkeit geschieht; durch "Gott" - oder wie ich sagen würde: durch das Leben.

Artikelaktionen

Richten oder Rache

Kommentar von Peter Zürn am 27.05.2011 11:31
Aufschlussreich ist ja schon, wie kurz der Weg - jedenfalls in der Wiedergabe des Tagi-Artikels - von der Rache (Gottes) zum Richten (im Rechtsstaat) ist. Wird zwischen Rache und Richten überhaupt noch unterschieden? Ich denke, das Richten muss so weit als möglich von Rache getrennt werden. Und ist es nicht eine der Segnungen des Rechtsstaates, dass es hier zumindest dem Anspruch nach völlig getrennt ist? Haben die AutorInnen des biblischen Satzes "mein ist die Rache, spricht Gott" nicht etwas sehr menschenfreundliches formuliert, wenn sie die Rache aus der menschlichen Verfügung nehmen und sie Gott (wer oder was damit auch immer gemeint ist, jedenfalls kein Mensch) überantworten?

Richten oder Rache

Kommentar von Thomas Markus Meier am 28.05.2011 10:38
Wirklich ein kaum auszurottendes Vorurteil! Was mich wunder nähme: Oft schreiben Journalisten in dem Zuammenhang vom "alttestamentarischen" Gott - nie aber find ich das Analogon "neutestamentarisch" - für mich hat "alttestamentarisch" eine sehr abwertende Anmutung. Die jüdische Tradition hat das "Aug um Aug" zumeist als "Augersatz um Augersatz" gedeutet - denn wenn ein Einäugier einem Normasehenden ein Auge ausschlüge, wäre bei wörtlicher Aulegung der eine nachher Blin, der andere hätte zwar keine Tiefenschärfe mehr, aber sähe doch immerhin noch. Und das könne es ja nicht sein, meinten die Rabbinen.

Blin

Kommentar von Thomas Markus Meier am 03.06.2011 10:27
muss natürlcih heissen blind.
Kommentare können schlecht korrigiert werden...
hab heute einen bösen Leserbrief an reformiert.ch senden müssen.
Ein Pfarrer kreuzt mit einem Imam die Klinge - guslet im Auge des Nächsten nach dem Spriessen.
Spielt den "lieben Menschen" (Jesus) gegen das "böse Buch" (Koran) aus.
Und singt dann das Hohelied der Neuen Testaments, das andre Schriften,
grad auch das Erste Testament an die Wand spielt.
Unchristlich, diese christliche Überheblichkeit.
Auf einem Auge blind, wer im NT nur das Schöne sucht, und übersieht,
dass auch im NT Gwalt und Fragwürdiges vorkommt - wie wohl in jeder heiigen Schrift.

"Wie wohl in jeder Heiligen Schrift ..."

Kommentar von Dieter Bauer am 06.06.2011 22:24
... kann ich nur unterstreichen. Es geht nicht nur um Überheblichkeit, es geht auch um das Nichtwahrhabenwollen der menschlichen Dimension der Heiligen Schrift. Und das, nachdem das WORT Fleisch geworden ist ...
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