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Januar

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23.01.2011

Wikileaks und Apokalypse

von Peter Zürn — Letzte Änderung 23.01.2011 14:20
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Apokalypse bedeutet Enthüllung, nicht Katastrophe

Bei Klaus Wengst habe ich ein Zitat von Jürgen Ebach gefunden, das die Medienorganisation Wikileaks (www.wikileaks.de) in die Tradition der  - richtig verstandenen  - Apokapytik stellt:

"Wenn 'Apokalypse' nicht 'Katastrophe' bedeutet, sondern 'Enthüllung', wenn das Wort nicht in der Haltung der Angst vor dem Unvermeidlichen gesprochen wird, sondern mit dem Mut dessen, der etwas durchschaut hat, der den Verschleierungen der Herrschenden auf die Schliche gekommen ist, dann müssen vor allem jene die Apokalypse fürchten, die an den Verschleierungen, den Verhüllungen, am Nichtwissen und Nichtdurchschauen interessiert sind. Wer hat Angst vor der Apokalypse?"

aus: Jürgen Ebach, Enthüllung, S. 135 zitiert nach Klaus Wengst, "Wie lange noch?" Schreien nach Recht und Gerechtigkeit - eine Deutung der Apokalypse des Johannes, S. 20 Anm. 30.

22.01.2011

Lektüre von Levitikus 4

von Peter Zürn — Letzte Änderung 22.01.2011 10:51
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Blut - Rauch des verbrannten Fettes - Lösen von der Sünde - Vergebung

Im 4. Kapitel geht es um Sündopfer, also Opfer nach dem Verstoss gegen ein Gebot. Hier kehrt sich interessanterweise die Reihenfolge um: zuerst kommen die Priester in den Blick (!) (Lev 4,1-12), danach geht es um kollektive Sünden der ganzen Gemeinde, dann um Sippenoberhäupter und schliesslich um die Zielgruppe, die bisher im Vordergrund stand: irgend jemand aus dem Volk. Bei all diesen Fällen geht es um den Verstoss gegen ein Gebot ohne Vorsatz. Die Verfehlung des Priesters läd Schuld auf das Volk. Offenbar trägt das Volk die Verantwortung für das Handeln seiner Priester. Hier scheint mir die Verantwortung eines Arbeits- und Auftraggebers für seine Angestellten zum Ausdruck zu kommen. Das Volk als entscheidende Grösse hat die Verantwortung für die Qualität der Arbeit seiner Angestellten, also für deren Auswahl, Ausbildung, Kontrolle...

Priester bringen einen fehlerlosen Jungstier, die Gemeinde bringt einen Jungstier, Sippenoberhäupter einen fehlerlosen Ziegenbock, jemand aus dem Volk eine fehlerlose Ziege oder ein weibliches Schaf. Bei der Verfehlung des Kollektivs ist die Fehlerlosigkeit des Opfertiers nicht vorgeschrieben. Ein realistischer Blick auf die Inhomogenität von Kollektiven, die niemals makellos und fehlerfrei sein können? Bei den Verfehlungen der Priester, der Gemeine als Ganzer und der Sippenoberhäupter müssen die Opfertiere männlich sein, bei der Verfehlung von jemandem aus dem Volk aber weiblich. Warum?

Beim Sündopfer der Stiere kommt ein neuer Aspekt des Opfervorgangs hinzu: Fell, Fleisch, Kopf, Beine, Eingeweise und Mageninhalt werden abgetrennt und entsorgt - an einem eigens benannten "Abfall-Platz der Fettasche" (4,12) verbrannt. Geopfert wird nur vom Blut und das Fett. Bei den anderen Opfertieren (Ziegenbock, Ziege und Schaf) ist das nicht vorgesehen.

Eine besondere Rolle bei der Entsühnung, also bei der Vergebung der Verfehlung - spielt neben dem Fett das Blut des Opfertieres. Im Fall der Stiere taucht der Priester seinen Finger hinein und spritzt es siebenmal gegen den Vorhang des Heiligtums. Dann streicht der Priester das Blut an die Hörner des Rauchopferaltars im Zelt und schliesslich giesst er das ganze Blut am Sockel des Brandopferaltares am Eingang des Zeltes aus. Im Blut ist nach alttestamentlicher Vorstellung das Leben. Welche Bedeutung hat das Verspritzen, Verstreichen und Ausgiessen des Blutes an drei unterschiedlichen Stellen hier?

Beim Sündopfer für die Gemeinde wird die Abfolge der Vergebung genauer differenziert, die beim Opfer für die Priesterverfehlung übrigens gar nicht thematisiert wird (4,19): Nach dem Spritzen, Verstreichen und Ausgiessen des Blutes uind nach dem Abtrennen und Verbrennen des Fettes - und zwar ausdrücklich "danach"  - soll der Priester das Volk "entsühnen und es wird ihnen vergeben werden." Ist die "Entsühnung" noch einmal eine eigene rituelle Handlung? Beschrieben wird sie jedenfalls nicht. Beim Opfer des fehlerfreien Ziegenbocks klingt es so, als wäre keine weitere Handlung nötig. Nach der Beschreibung des Opfers wie wir es bisher gesehen haben, heisst es: "So entsühnt der Priester den Betreffenden und löst ihn von seiner Sünde, dann wird ihm vergeben werden" (4,25). Auf jeden Fall sind aber Entsühnung und Vergebung zwei voneinander unterschiedene Vorgänge.
Nach Entsühnung und Vergebung wird jedenfalls erst der (grosse) Rest des Stieres entsorgt. Beim Opfern aller anderen Tiere ausser den Stieren entfällt das Spritzen des Blutes an den Vorhang im Zelt. Auch wird der Rest des Opfertieres nicht entsorgt.

Beim Sündoper für die Verfehlung von irgendjemand aus dem Volk wird die Bedeutung des verbrannten Fettes näher qualifiziert. "Der Priester soll die Fettteile mit dem Feueropfer des Herrn auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen und ihn so entsühnen, um ihn von seiner Sünde zu lösen, die er begangen hat; dann wird ihm vergeben werden" (4,35). Fett und Rauch lösen die Verbindung zwischen dem Menschen und seiner Sünde.

18.01.2011

Lektüre von Levitikus 3

von Peter Zürn — Letzte Änderung 18.01.2011 12:25
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Vollfett: Die Fülle des Lebens ist nicht machbar, sondern geschenkt

Das zentrale Stichwort von Levitikus 3 ist FETT. 16mal hat die Einheitsübersetzungen diesen Ausdruck in den 17 Versen des Kapitels. das Ganze läuft auf den Schlussssatz zu: "Das ganze Fett gehört dem Herrn. Als feste Regel gelte bei euch von Generation zu Generation an allen euren Wohnstätten: Ihr dürft weder Fett noch Blut geniessen. Im Blut ist nach biblischer Vorstellung das Leben. Der Verzicht auf den Verzehr von Blut bringt zum Ausdruck: Wir Menschen verfügen nicht über das Leben. Gott allein ist der Herr des Lebens. Alles Leben ist Geschenk Gottes und gehört allein Gott.
Wir Menschen haben dem Leben, allem Leben gegenüber eine Verantwortung.
Was bringt der Verzicht auf Fett zum Ausdruck? Vielleicht steht das Fett für die Fülle des Lebens. Dann ist auch die Fülle des Lebens nicht für Menschen verfügbar, ist Geschenk. Bei aller Anstrengung das Leben erfüllt zu machen, lässt es sich nicht machen.
Ansonsten folgt auch dieses Kapitel wieder einem klaren logischen Schema. Es geht jetzt um Heilsopfer. Was das genau bedeutet, wird nicht erklärt, sondern offenbar vorausgesetzt.
Zuerst geht es um das Opfer eines Rindes (3,1-5), dann um das von Kleintieren, nämlich a) Schaf (3,6-11) und b) Ziege (3,12-16). Das Vorgehen ist ähnlich wie bei den Brandopfern von Kapitel 1. Wieder soll dem Tier vom Opfernden die Hand auf den Kopf gelegt werden. Wieder lässt der Priester die zu opfernden Teile auf dem Altar in Rauch aufgehen. Wieder ist die Rede vom "beruhigenden Duft für den Herrn". Allerdings nur beim Opfern des Rindes und der Ziege. Beim Opfern des Schafes fehlt die Erwähnungen des beruhigenden Duftes. Dafür sind beim Rind um beim Schaft männliche und weibliche Tiere erlaubt (beim Brandopfer waren es nur männliche tiere). Bei der Ziege wird das Geschelcht nicht erwähnt.
Fazit: ein gleichbleibendes Schema mit Abweichungen ohne nähere Erklärungen. Verwirrend.
Besondere Aufmerksamkeit wird wie schon gesagt, den fetten Teilen der Tiere gewidmet. Sie werden genau beschrieben und lokalisiert: "das Fett, das die Eingeweide bedeckt, das gesamte Fett über den Eingeweiden, die beiden Nieren, das Fett über ihnen und das in den Lenden sowie die Fettmasse, die er [der Priester] von der Leber und den Nieren loslöst" (Lev 3,3-4) ... "den ganzen Fettschwanz, den er nahe an den Schwanzwirbelknochen ablösen soll" (3,9).
Gott zeigt seine Kenntnisse als Biologe und Metzger.

14.01.2011

Lektüre von Levitikus 2

von Peter Zürn — Letzte Änderung 14.01.2011 11:40
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Beim Umgang mit Speiseopfern erweist sich Gott als Hausmann/frau/gott. Warum eignen sich Sauerteig und Honig nicht als Speiseopfer, wohl aber als Erstlingsopfer? Ohne Salz geht nichts, schon gar nicht der Bund Gottes mit den Menschen.

Kapitel 2 beschreibt die Speiseopfer. Zuerst die ungebackenen Speiseopfer (aus Feinmehl mit Öl und Weihrauch), dann die gebackenen Speiseopfer und zwar genau differenziert: im Ofen gebacken, auf einer Ofenplatte zubereitet, im Kochtopf zubereitet. Gott kennt sich in der Küche aus und interessiert sich für die genauen Vorgänge beim Kochen. Ein Hausgott.
Wieder beginnen die Ausführungen mit „wenn jemand…“. Auch hier geht also die Initiative zum Opfer nicht von Gott aus. Wieder geht die Initiative von einem Menschen aus dem Volk aus, der/die dabei von den Priestern beim Verbrennen des Opfers unterstützt wird. Diese Priester aber werden jetzt als Söhne Aarons genauer qualifiziert und der Text kümmert sich um ihre materielle Versorgung. Sie opfern nur einen Teil des Speiseopfers auf dem Altar, allerdings den ganzen Weihrauch (2,2; 2,9), der Rest gehört ihnen. 2,9 bezeichnet den geopferten Anteil als „Gedächtnisanteil“. Der Rest für die Priester wird als „etwas Hochheiliges“ bezeichnet (2,3; 2,10). Der Rest für den Verzehr der Menschen ist offenbar noch Heiliger als der Teil für Gott. Mehrmals wiederholt sich die Formel „als ein Feueropfer zum beruhigenden Duft für den Herrn“ (2,2, 2,9), die auch schon das erste Kapitel strukturiert hatte (1,9; 1,13; 1,17). 2,11 macht zwei interessante Ausnahmen, was sich nicht zum Speiseopfer eignet: Sauerteig und Honig. Eine Begründung wird nicht angegeben. Beide Produkte sind nicht grundsätzlich zum Opfern ungeeignet. Als Erstlingsopfer eignen sie sich. Mit den Ausführungen zum Erstlingsopfer schliesst denn auch das zweite Kapitel ab. Zuvor wird aber noch betont, dass die Speiseopfer alle gesalzen sein sollen. Ja das Salz  wird sogar als „Salz des Bundes deines Gottes“ bezeichnet (2,13, ein Ausdruck, der in Numeri 18,199 wieder auftaucht. Salz macht Lebensmittel würziger und länger haltbar. Sind das zwei Elemente des Bundes, der verbindlichen Beziehung zwischen Gott und dem Volk Israel? Lange haltbar und nicht fade, sondern würzig? Was bedeutet das für die neutestamentlichen Formulierungen „Ihr seid das Salz der Erde“? Das Markusevangelium steht den Gedanken in Levitikus sehr nahe, wenn es schreibt: „Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden … Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander“ (Mk 9,48-49). Kommen wir noch zu den Erstlingsopfern. Sie spielen ja in der Bibel eine besonders wichtige Rolle. Das beginnt schon bei Kain und Abel (Gen 4). Mit dem Opfern der Erstlinge der Ernte drücken Menschen aus: Das Leben gehört letztlich Gott. Nicht wir sind die Herren über das Leben, sondern Gott allein. Was uns leben lässt, ist bei aller Mühe und Arbeit letztlich doch Geschenk. Diese Hintergründe werden hier aber nicht genannt, sondern es geht um Ausführungsbestimmungen des Opfers von Erstlingsfrüchten, geröstete Körner und Grütze aus frischen Körnern. Danach bleibe ich doch etwas verwirrt zurück. Der Umgang mit dem Estlingsopfer entspricht genau dem mit den anderen Speiseopfern. Warum sind dann Sauerteig und Honig vom einen ausgeschlossen und vom anderen nicht? Höre ich da jemand heimlich über mich lachen? Fast kommt es mir so vor, als würde sich Gott beim Thema Opfervorschriften ziemlich amüsieren.

12.01.2011

Fortlaufende Lektüre des Buches Levitikus

von Peter Zürn — Letzte Änderung 12.01.2011 17:05
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Einer meiner guten Vorsätze für 2011: Ich lese das Buch Levitikus und zwar jede Woche ein Kapitel und dokumentiere meine Leseentdeckungen hier im Biblioblog. Das Buch Levitikus hat 27 Kapitel. Die Lektüre wird mich also bis in den Juli hinein beschäftigen.

Warum gerade das Buch Levitikus?
Als drittes Buch Mose bildet es die Mitte der fünf Bücher Mose, der Tora im engeren Sinn. In der Bibel ist die Anordnung eines Buches oder Textes immer auch eine inhaltliche Aussage. Warum steht gerade dieses Buch im Zentrum der Tora?
Das Buch Levitikus ist im christlichen Kontext vielleicht das am wenigsten gelesene und unbekannteste Buch der Bibel. Das trifft mindestens auf mich zu. Ich habe es noch nie zuvor gelesen. Die detaillierte Beschreibung von Opfern scheint für das Christentum keine Bedeutung (mehr) zu haben. Hintergrund ist wohl die Opferpraxis im Tempel von Jerusalem. Die gibt es aber nicht mehr, so wenig wie den Tempel. Warum und wie liest das Judentum dieses Buch trotzdem noch als zentralen Teil der Tora?

Lektüre von Lev 1

Überraschend ist es nicht, dass das Buch mit dem Thema „Opfer“ beginnt.
Überraschend ist auch nicht, dass es als Rede Gottes an Mose beginnt.
Überraschend ist aber, dass das Interesse am Opfern nicht von Gott ausgeht. Gott scheint nur auf das Opferbedürfnis von Menschen zu reagieren: „Wenn jemand von euch dem Herrn ein Opfer darbringen  möchte…“ (Lev 1,2).
Gott scheint von sich aus also nicht an Opfern interessiert zu sein, aber wenn Menschen es sind, dann will er zumindest Weisungen geben, wie dieses Opfer sinnvollerweise von statten gehen soll.
Überraschend ist ausserdem, dass es nicht die Priester sind, von denen das Interesse an Opfern ausgeht, sondern „irgendjemand von euch“. Die Priester sind nur ausführende Organe.
Gott reagiert auf das Interesse an Opfern wie ein Lehrer. Er geht sehr systematisch und logisch vor. Er beginnt mit den Brandopfern, nennt die möglichen Opfertiere, 3 an der Zahl, und entfaltet dann diese Möglichkeiten nach und nach. Er geht also das Thema Opfern in einem logischen und systematischen Schema an.
Dabei legt er Wert auf grosse Detailgenauigkeit: Was für ein Tier soll geopfert werden? An welchem Ort soll es jeweils geopfert werden? Wie soll es genau zubereitet werden?
Ein gottgefälliges Opfer ist ein ziemlicher Aufwand. Ist die Vermutung zu weit hergeholt, dass Gott die Hürden bewusst hoch setzt, weil er ja eigentlich gar kein Opfer will und braucht?
Interessanterweise verwirklicht sich das eigentliche Ziel des Opfers – Gott nimmt das Opfer an und vergibt dem Opfernden seine Schuld – bereits vor dem Schlachten des Opfertieres: Lev 1,4  - wenn der Opfernde am richtigen Ort seine Hand auf den Kopf des Tieres legt. Wer braucht das weitere Vorgehen eigentlich?

Die ganze schöne Systematik und Logik der Beschreibung wird in Lev 1,14 gesprengt, als plötzlich und unerwartet ein viertes Opfertier, Tauben, zur Sprache kommt. Der vorgesehene Umgang mit ihnen fordert ziemlich viel von den beteiligten Priestern, eine gewisse Brutalität (Kopf abreissen) und eine gewisse Geschicklichkeit (Flügel einreissen, aber nicht abreissen). Wieder werden Hürden gesetzt, die das Durchführen von Opfern zu einer ziemlich schwierigen Sache machen. Mit welcher Absicht?

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Peter Zürn

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