Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Peter Zürn 2011 Juni
Navigation
 

Juni

Sub-Archive

29.06.2011

Gott und Zufall

von Peter Zürn — Letzte Änderung 29.06.2011 11:06

Widersprechen sich Gott und der Zufall? Nein, Gott ist da in einer Welt, zu der auch der Zufall gehört.

In der aktuellen Ausgabe des Schweizer Strassenmagazins Surprise, das ich ansonsten überaus schätze, findet sich ein Interview mit einem Zufallsforscher, dessen Aussagen mich zu einer Gegenreaktion reizen und das spricht ja auch für Surprise. Dort heisst es sinngemäss, dass der Glaube an den Zufall etwas blasphemisches sei, dass Gott und der Zufall sich widersprechen und gegenseitig ausschliessen. Also für meine Vorstellung von Gott, mit dem ich auch in Beziehung stehe und der insofern mein Gott ist, trifft das jedenfalls nicht zu. Und so weit ich die Bibel kenne und verstehe, trifft es auch nicht auf den biblischen Gott zu (der/die ist allerdings, ich gebe es zu, grösser und vielfältiger als meiner, einfach deshalb, weil die Bibel ein Buch tausender Menschen über tausende Jahre ist; das macht vielseitig) Ich verstehe die Welt als Schöpfung Gottes. Schöpfung ist eine andauernde Tätigkeit. Die Art, wie sich dieses Schöpfungshandeln zeigt, ist die Evolution. Die Welt ist eine Welt voller Möglichkeiten, ein Spiel zwischen Notwendigkeit und Zufall. Zufall ist ein wesentlicher Teil der Schöpfung, insofern sie zwar Regeln folgt, aber nicht determiniert und festgelegt ist. Es bieten sich nie alle Möglichkeiten, aber immer mehrere. Welche ergriffen werden, hängt von so vielen Faktoren ab, dass sie sich nie im voraus bestimmen lassen, es gibt immer auch ein Moment des Überraschenden, des Spielerischen und Zufälligen. Einer der Namen Gottes in der Bibel ist: "Ich bin da". Das heisst für mich, Gott begleitet die Schöpfung in all ihrer Entwicklung, auch ihrer spielerischen und zufälligen Wahl zwischen Möglichkeiten.

23.06.2011

Das Buch Tobit im Gespräch mit anderen Bibeltexten lesen (4)

von Peter Zürn — Letzte Änderung 23.06.2011 20:56
Einsortiert unter:

Erfahrungen in der Bibliodramawoche in der Propstei Wislikofen (20.-23.6.2011) mit Adam und Eva

Eine ergreifende Szene in der Hochzeitsnacht: "Als Tobias und Sara in der Kammer allein waren, erhob sich Tobias vom Lager und sagte: Steh auf, Schwester, wir wollen beten, damit der Herr Erbarmen mit uns hat. Und er begann zu beten: Sei gepriesen, Gott unserer Väter; gepriesen sei dein heiliger und ruhmreicher Name in alle Ewigkeit. Die Himmel und alle deine Geschöpfe müssen dich preisen. Du hast Adam erschaffen und hast ihm Eva zur Frau gegeben, damit sie ihm hilft und ihn ergänzt. Von ihnen stammen alle Menschen ab. Du sagtest: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist; wir wollen für ihn einen Menschen machen, der ihm hilft und zu ihm passt. Darum, Herr, nehme ich diese meine Schwester auch nicht aus reiner Lust zur Frau, sondern aus wahrer Liebe. Hab Erbarmen mit mir und lass mich gemeinsam mit ihr ein hohes Alter erreichen! Und Sara sagte zusammen mit ihm: Amen. Und beide schliefen die Nacht über miteinander." (Tob 8,4-9)

Das ist eine der wenigen (die einzige?) Stellen im Alten Testament, in denen auf Adam und Eva Bezug genommen wird. Überaus positiv, ohne jeden Beigeschmack von Ursünde etc. Ich habe ein einem früheren Bibliodrama einmal diesen Tobias gespielt und mich in der Hochzeitsnacht genau so gefühlt: Wie Adam am Anfang der Schöpfung.
Heute hat mich das Gebet des jungen Mannes Tobias angesprochen. Er vergleicht sich mit Adam, der eine Hilfe und Ergänzung braucht und sie bekommt. "Hilfe" ist in der Bibel keine Abwertung, sondern eine Gottesbezeichnung. Das ist das eine.

Das andere: ein Mann erkennt, dass er, wie alle Männer seit Adam, Hilfe, ein Gegenüber, eine Ergänzung braucht, um leben, um gut leben zu können. Keiner ohne Andere leben. Jeder ist hilfsbedürftig. Wenn das allen Männern von Anfang an (von Kindheit, von Adam und Eva an) als Lebensweisheit und Lebenweisung vermittelt werden würde, würde uns ein ganz anderes Männerbild prägen und leiten. Ein heilvolleres, ein weniger gewaltanfälliges. Heute herrscht das Männerideal des Mannes, der nichts und niemanden brauchen darf, schon gar keine Hilfe. Dieser Mann wird lieber gewalttätig als unmännlich.

22.06.2011

Das Buch Tobit als grosses Gespräch mit anderen Bibeltexten

von Peter Zürn — Letzte Änderung 22.06.2011 19:30

Zusammenstellung von Beziehungen zwischen dem Buch Tobit und anderen Bibeltexten

Tob 1,6: Pilgern nach Jerusalem zu den Ernstefesten - Ex 23,16-17: Weisungen für die Erntefeste; Ex 34,23: Weisung für das dreimalige Erscheinen vor Gott

Tob 1,9 Tobits Frau Hanna - Hanna in 1 Sam 1-2 und Lk 2,36-38

Tob 2,6: Tote begraben statt Festmahl - Zitat von Amos 8,10

Tob 2,14: Klage der Frau von Tobit über den ausbleibenden Lohn für Barmherzigkeit und Gerechtigkeit - Ijob 2,9

Tob 3,6: Tobits Bitte um seinen Tod - Elija in 1 Kön 19,4

Tob 3,8-9: Mädge fühlen sich von Sara hart behandelt und erheben sich über sie - Sara und Hagar Gen 16; Gen 21

Tob 3,11: Sara betet am Fenster - Dan 6,11 Daniel betet am Fenster, das sich nach Jerusalem öffnet

Tob 5,14: s. 1,6

Tob 5,15. Tageslohn eine Drachme - Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg Mt 20

Tob 6,1-5: Abenteuer mit dem Fisch am Tigris - Tigris, ein Paradiesfluss Gen 2,14; Kampf des Jakob am Jabbok Gen 32,23-33;

Tob 6,13: Gesetz des Mose, wonach ein Vater mit dem Tod bestraft wird, wenn er seine Tochter einem anderen Mann als dem einzigen Verwandten gibt - ???

Tob 6,15: Tod des einzigen Sohnes bringt Eltern ins Grab - Benjamin in Gen 44,29.31

Tob 7,1: Sara geht Rafael und Tobias entgegen - Rebekka in Gen 24,15

Tob 7: Reise zu Verwandten im Osten, um Rettung und Ehefrau zu finden - Isaak-Rebekka Gen 24; Jakob-Rahel Gen 27,42-29,14

Tob 8,6: Tobias betet in der Hochzeitsnacht und erinnert sich an Adam und Eva - Gen 2,18: Menschen (auch Männer) brauchen Hilfe und Ergänzung

Tob 8,19: ein Hochzeitsfest, das 14 Tage dauert - die hochzeit des Simson Ri 14,10-18

Tob 8,20: der neue Schwiegersohn soll nicht sofort abreisen - Gen 24,54: genau wie der Knecht des Abraham, der für Isaak um Rebekka geworben hat

Tob 10,1.6. Tobit und Hanna machen sich Sorgen um die Rückkehr ihres Sohnes s. Tob 6,15

Tob 10,8: Lass mich heimreissen - Gen 24,54

Tob 11,10: Der Vater läuft dem Sohn entgegen - das Gleichnis vom barmherzigen Vater Lk 15,20

Tob 11,12: Tobits Flecken auf den Augen lösen sich ab - Apg 9,18: Paulus fällt es wie Schuppen aus den Augen
Tob 11-12: Die Galle brennt in den Augen, Tobit kann wieder sehen, Rafael offenbart sich und öffnet Tobit und Tobias die Augen für das Geschehen im Himmel; Tob 12,21: "Als sie wieder aufstanden, sahen sie ihn nicht mehr" - Lk 24: Jesus öffnet den Emausjüngern die Augen für das was in der Schrift geschrieben steht. Lk 24,31-32: "Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr ... Brannte uns nicht das Herz...";

(wird fortgesetzt)

Lektüre von Levitikus 11,1-8

von Peter Zürn — Letzte Änderung 22.06.2011 19:28
Einsortiert unter:

Die Bibel: Geschichten und Listen

Mein Sohn lernt gerade schreiben. Er schreibt gerne Geschichten und Listen. Geschichten von seinen Lieblingstieren und Listen der Quizmania-Karten von Migros und WWF, die er schon hat, noch braucht und doppelt hat. Geschichten und Listen sind wohl auch der Grundbestandteil der Bibel. Hier in Levitikus 11 sind wir im Herzen der biblischen Listenleidenschaft.
Es geht um reine bzw. unreine Tiere. Für die Landtiere wird ein allgemeines (Doppel-)Kriterium angelegt: alles, was gespaltene Hufe hat (Paarzeher) und wiederkäut, ist rein und darf gegessen werden. Fälschlicherweise werden der Klippdachs und der Hase als Wiederkäuer eingeordnet, wohl weil sie Futter in den Backen horten. Das einzige Tier, das als unrein gilt, obwohl es gespaltene Hufe hat, ist das Schwein. Thomas Staubli erkennt, dass das in Lev 11,1-4 entwickelte Kriterium den Eindruck macht, "als sei es eigens im Hinblick auf das Schwein entwickelt worden" (97). Das wird durch einen Talmudkommentar bestätigt (b.Chul 59a). Es dürfte wohl auch als einziges der genannten Tiere real als regelmässiges Nahrungstier in Frage gekommen sein. Archäologische Ausgraben zeigen, dass sich die Lebensweise und Kultur Israels nur in einem von seiner Umgebung unterschied - im Fehlen von Schweineknochen in den Abfällen.

Das Buch Tobit im Gespräch mit anderen Bibeltexten lesen (3)

von Peter Zürn — Letzte Änderung 22.06.2011 19:28
Einsortiert unter:

Erfahrungen in der Bibliodramawoche in der Propstei Wislikofen (20.-23.6.2011) mit Sara

21.06.2011

Das Buch Tobit im Gespräch mit anderen Bibeltexten lesen (1)

von Peter Zürn — Letzte Änderung 21.06.2011 14:25
Einsortiert unter:

Erfahrungen in der Bibliodramawoche in der Propstei Wislikofen (20.-23.6.2011) mit Amos

"Nach meiner Rückkehr wusch ich mich und aß voll Trauer mein Mahl. Ich erinnerte mich an das Wort des Propheten Amos: Eure Feste sollen sich in Trauer verwandeln und alle eure Freudenlieder in Totenklage. Und ich begann zu weinen" (Tob 2,4-6). Der hier spricht, ist Tobit, eine der Hauptfiguren des gleichnamigen Buches. Eigentlich hätte er Grund zur Freude gehabt. Er überlebte politische Unruhen und Nachfolgestreitigkeiten am Hof des assyrischen Grosskönigs. Seine Frau und sein Sohn veranstalten ihm zu Ehren ein Festmahl und er: siehe oben. Tobit rechtfertigt sein Verhalten mit einem Zitat aus dem Buch des Propheten Amos. Im Bibliodramaspiel war ich der Prophet Amos. Ich fühlte Ärger und Trauer. Ärger, weil Tobit einen Satz von mir aus dem Zusammenhang reisst und so missbraucht. Ich hatte mich nicht gegen Feste und Feiern ausgesprochen. Im Gegenteil. Ich hatte die Reichen und Mächtigen angeklagt, die die Festzeiten möglichst schnell beenden wollten, um wieder ihren Geschäften nachgehen zu können, um noch mehr Reichtum und noch mehr Macht auf Kosten vieler Anderer anzuhäufen. Ich kritisiere Machtmissbrauch und Ungerechtigkeit, nicht das Feiern an sich. Lesen Sie nach bei Amos 8. Tobit benutzt meine Worte, um seine Depression zu rechtfertigen, seine Fixierung auf alles Tote und seine Missachtung der lebendigen Beziehungen in seiner Familie. Traurig war ich, weil wieder einmal etwas, was als Wort des Lebens gemeint war, zu einem Wort des Todes gemacht wurde.
Hier berührte sich die Geschichte des Amos mit meiner eigenen Lebensgeschichte, mit meinen Erfahrungen in der Bibelpastoral. Wie oft erlebe ich das, dass biblische Worte, die dem Leben in Fülle dienen wollen, dazu gebraucht werden, Menschen klein zu machen, sie an der Entfaltung zu hindern, ihre Aufmerksamkeit auf Totes statt auf Lebendiges zu richten.
In diesem Fall braucht es nur die Bereitschaft und die Fähigkeit, die zitierte Stelle im Buch Amos nachzuschlagen und nachzulesen. Im Besten Fall wird so die Bibel als Gespräch zwischen Texten erkennbar, durchaus auch als Streitgespräch, als Ringen um die Bedeutung und Wirkung eines Textes. Die Bibel nicht als monolithischer Block ewiger Wahrheiten, sondern als lebendige Diskussion mit offenem Ende. Wir sind eingeladen und herausgefordert, dieses Gespräch fortzusetzen.

Das Buch Tobit im Gespräch mit anderen Bibeltexten lesen (2)

von Peter Zürn — Letzte Änderung 21.06.2011 14:35
Einsortiert unter:

Erfahrungen in der Bibliodramawoche in der Propstei Wislikofen (20.-23.6.2011) mit Tobias und Jona und Jakob

Tobias, der Sohn des Tobit und sein Begleiter Asarja, der in Wirklichkeit der Engel Rafael ist, machen sich auf einen langen, gefahrvollen Weg. "Die beiden kamen auf ihrer Reise abends an den Tigris, wo sie übernachteten. Als der junge Tobias im Fluss baden wollte, schoss ein Fisch aus dem Wasser hoch und wollte ihn verschlingen. Der Engel rief Tobias zu: Pack ihn! Da packte der junge Mann zu und warf den Fisch ans Ufer" (Tobit 6,1-3).
Hier wird eine Variante der Geschichte von Jona erzählt. Jona, der vor seiner Berufung wegläuft, wird von einem Fisch verschlungen. Im Bauch des Fisches wandelt er sich, wird neu geboren und macht sich auf seinen Weg, der aber widerspruchsvoll bleibt. Tobias, der seiner Berufung folgt und sich auf seinen Weg macht, packt den Fisch und wirft ihn ans Ufer. Im weiteren Verlauf seiner Geschichte gewinnt er aus dem Fisch Heilmittel. Zwei Weisen der Initiation, des Wachstums und der inneren und äusseren Reifung. Zwei Modelle und Angebote für die Deutung des eigenen Lebensweges. Wir machen Jona- und Tobiaserfahrungen.
Im Bibliodrama erlebe ich den Kampf des Tobias mit dem Fisch. Es sieht genauso aus, wie ich mir den Kampf des Jakob mit dem Engel beim Übergang über den Jabbok vorstelle. Jakobs Kampf mit seinem Schatten. "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn" (Gen 32,27). Jeweils ein Übergang über einen Fluss und jeweils ein Kampf mit einem überraschenden Angreifer. Im Bibliodrama sitzen mehrere Tobiase erschöpft neben dem besiegten Fisch. Kein Siegesjubel. Sie sind tief betroffen davon, dass sie den Weg der eigenen Berufung nicht unschuldig gehen können. Sie haben sich die Hände schmutzig gemacht. Sie haben gekämpft, verletzt, getötet. Das ist der Preis für die kostbaren Heilmittel, die der Fisch in sich trägt, für den Segen. Sie sind gezeichnet wie Jakob, der an der Hüfte hinkt. Die Geschichte von Tobias ist ein Midrasch, eine interpretierende Nacherzählung der Jakobgeschichte. Tobias heisst jetzt unausgesprochen ebenfalls Israel - Gotteskämpfer.
Sowohl das Buch Jona als auch das Buch Tobit als auch das Buch Genesis sind lehrhafte Erzählungen. Sie berichten nicht von historischen Geschehnissen, sondern laden ein, sich mit den Figuren der Erzählung zu identifizieren und aus ihrer Geschichte etwas für das eigene Leben zu lernen. Sie sind schon Bibliodramen in erzählender Form.

16.06.2011

Ein Land, in dem Milch und Honig fliessen?

von Peter Zürn — Letzte Änderung 16.06.2011 13:43
Einsortiert unter:

" Ein schönes, weites Land, ... ein Land, in dem Milch und Honig fließen" (Exodus 3,8) - so wird in der Bibel das verheissene Land gezeichnet. War die Gegend, die heute Israel/Palästina heisst, damals ein solch schönes und fruchtbares Land? Oder ist das Schönfärberei, Propaganda, z.B. um die jüdischen Menschen im Exil, in Babylon, im fruchtbaren und reichen Zweistromland, dazu zu motivieren, dieses Land zu verlassen. Kämpft die Rede vom Land, in dem Milch und Honig fliessen gegen die Realität an?
Entspricht das Bild, das wir bei heutigen Reisen in die Region gewinnen, der damaligen Situation - nach Jahren moderner, industrieller Bewässerung und Bebauung? Wohl kaum.
Gehen wir wenigstens 100 Jahre zurück - zu Reiseberichten westlicher Reisender. Mark Twain zum Beispiel schrieb: "Unter allen Ländern mit öder Landschaft steht Palästina, glaube ich, an erster Stelle. Die Berge sind kahl, haben stumpfe Farben, sie zeigen unmalerische Formen. Die Täler sind hässliche Wüsten, von einer schwachen Vegetation besäumt, die einen sorgenvollen und verzagten Ausdruck an sich hat" (Reise durch die alte Welt zitiert nach A.P. & A.H. Hüttermann, Am Anfang war die Ökologie. Naturverständnis im Alten Testament, München 2002, S. 10).
William Thackeray schreibt 1846: "Ausgetrocknete Berge mit kahlen grauen Olivenbäumen hier und da; wilde Schluchten und Täler, gepflastert mit Grabsteinen - auf diese Landschaft, so unsagbar grässlich und trostlos, trifft das Auge, wo immer man es ausserhalb der Stadt umherschweifen lässt" (Notes of a Journey vom Cornhill to Grand Cairo zitiert nach Raja Shehadeh, Wanderungen in Palästina, Berlin 2011 S. 11). Und Hermann Melville klagt 1856/57: "Weisslicher Mehltau, der ganze Landstriche überzieht - ausgebleicht - Aussatz - verkrustete Verfluchung - alter Käse - Felsengerippe, zermalmt, zerkaut&abgenagt - Schutt&Auswurf der Schöpfung  - ... ganz Judäa scheint so ein Schutthaufen gewesen zu sein" (Tagebuch einer Reise nach Europa und in die Levante zitiert nach Schehadeh S. 30).

Ganz anders ein heutiger Einheimischer, Raja Schehadeh aus Ramallah, dessen Erinnerungen und Beschreibungen zwei Generationen weit zurückreichen, als er z.b. bei seinen Wanderungen durch Palästina einen verfallenen Qasr, ein aus Steinen erbautes, kreisförmiges Haus, entdeckt. "Es kam mir vor, als würde die Erde mit all ihrer Schönheit und all ihren Farben explodieren. Ohne dass der Mensch hier einen Finger gerührt hatte, bot die Natur ihre wunderbaren Geschenke dar. Mir war danach, laut zu jubeln, um diese Pracht gebührend zu feiern ... Ich hätte den ganzen Tag neben diesem qasr sitzen und meine Augen an diesem wundervollen Werk weiden können. wie glücklich müssen die Menschen gewesen sein, die einst in diesem wahrhaftigen Paradies lebten!" (Schehadeh S. 29f.).
Fanden die Wanderungen Schehadehs und die Reisen Melvilles, Thackerays und Twains einfach zu verschiedenen Jahreszeiten statt? Kann das die Erklärung für diese so diametral entgegengesetzte Wahrnehmung sein? Wohl kaum. Die 6 Wanderungen, die Schehadeh beschreibt, fanden zu verschiedenen Jahreszeiten statt. Eher schon trifft seine Einschätzung der westlichen Reisenden zu: "Es ist so, als ob die Reisenden, die den beschwerlichen Weg nach Palästina auf sich nahmen und dort nicht fanden, wonach sie suchten - nämlich das Land, das bisher nur in ihrer Fantasie existierte - , eine starke Abneigung gegen das entwickelten, was tatsächlich auf sie wartete" (Schehadeh S. 11).
Schehadehs Wahrnehmung von Palästina kommt dem biblischen Bild des verheissenen Landes, in dem Milch und Honig fliessen, ganz nahe. Schehadehs Wahrnehmung ist die eines Palästinensers und es ist einer "verschwindenden Landschaft" (S. 9). Das bibliche Bild des verheissenen Landes hat gewirkt und wirkt bis heute z.B. bei den israelischen Siedlern in den besetzten Gebieten des Westjordanlandes. Und so kommt es zu einem Gespräch zwischen dem palästinensischen Wanderer und einem jüdischen Siedler, die sich beide an der Schönheit des Landes erfreuen. "Wussten Sie, dass das Land, auf dem Sie sich hier befinden, zu einem Naturschutzgebiet erklärt wurde?" fragt der Siedler. "Wir schützen dieses Stück Erde. Ohne uns wäre es längst verkommen. Als jemand, der gerne wander, sollten Sie das begrüssen." "Ich konnte nicht glauben, was ich hörte", schreibt der Palästinenser. ""Sie beschützen unser Land? Nach all dem Unheil, das ihre Bulldozer angerichtet haben, indem sie Breschen für Ihre Schnellstrassen in diese Hügel geschlagen haben, und nachdem Sie Ihren Beton zum Bau der Siedlungen hineingeschüttet haben, behaupten Sie, Sie würden die Natur schützen?""
Gibt es aus dieser Situation einen Exodus?
Die beiden, der palästinensische Araber und der israelische Jude, die eine Haschischpfeife, eine nergila, miteinander rauchen, erleben wenigstens eine Atempause innerhalb der Trägodie und des Krieges, "vorübergehend verbunden in unserer beiderseitigen Liebe zu diesem Land" (alle Zitate Schehedeh S. 233-245)

15.06.2011

Streunereien (4)

von Peter Zürn — Letzte Änderung 15.06.2011 15:54

Ein arabisches Wort für Streunen aus Palästina: sarha. Raja Schehadeh beschreibt 6 sarhat, die er gemacht hat und die heute aufgrund der Siedlungspolitik des Staates Israel nicht mehr möglich sind

"Als Kind hörte ich, dass es für meinen Grossvater, Richter Salem, nichts Schöneres gab, als in einem heissen Sommer nach Ramallah zu kommen und zusammen mit seinem Cousin Abu Ameen auf eine sarha zu gehen ... Auf eine sarha zu gehen, bedeutet, nach Belieben umherzuschweifen, ohne Beschränkungen. Sarha bezeichnet den morgendlichen Weidenauftrieb des Viehs, damit es tagsüber frei herumlaufen und grasen kann ... Ein Mann, der auf die sarha geht, wandert ziellos, weder durch Zeit noch durch Ort eingeschränkt. Er geht, wohin ihn seine Stimmung treibt, um seine Seele zu nähren und sich zu regenerieren ... Auf eine sarha zu gehen, bedeutet loszulassen. Es ist ein drogenfreier Höhenflug auf palästinensische Art."

 

Raja Schhadeh, Wanderungen in Palästina, Unionsverlag 2011 S. 20-21.

10.06.2011

Lektüreliste Mai 2011

von Peter Zürn — Letzte Änderung 10.06.2011 11:40

Vielleicht dient es ja jemandem: Bücher, die ich lese und empfehle

Knut Wenzel, HoboPilgrim. Bob Dylans Reise durch die Nacht. Grünewald Verlag 2011 206 Seiten

Walter Hehli, Man muss wie Pilger wandeln. Auf dem Jakobsweg vom Toggenburg bis ans Ende der Welt. Toggenburger Verlag 2011 302 Seiten

Jürgen Ebach, SchriftStücke. Biblische Miniaturen. Gütersloher Verlag 2011 288 Seiten

Ina Prätorius, Ich glaube an Gott und so weiter… Eine Auslegung des Glaubensbekenntnises. Gütersloher Verlag 2011 191 Seiten

Das Markusevangelium. Bibel und Kirche 2/2011 64 Seiten

Walter Benjamin, Passagen. Kristalle. Die Axt der Vernunft und des Satans liebster Trick. Ausgewählt von Joachim Otte. Corso Verlag 2011 160 Seiten

Wilfried Meichtry/Pascale Meyer (Hg.), Mani Matter (1936-1972). Zur Ausstellung im Schweizerischen Nationalmuseum Zürich. Zytglogge Verlag 2011 112 Seiten

Rein und unrein - Lektüre von Levitikus 11-15 (2)

von Peter Zürn — Letzte Änderung 10.06.2011 10:56
Einsortiert unter:

Die Reinheitsvorstellungen bringen zum Ausdruck, dass Körperlichkeit, Geschlecht, Sexualität, Fruchtbarkeit etwas mit dem Kult und mit Gott zu tun haben. Sie betreffen Frauen und Männer. Viel zu selten ist in der Geschichte des Christentums eine Messe ausgefallern, weil der Priester in der Nacht davor einen Samenerguss hatte.

Dorothee Erberle-Küster (in Bibel und Kirche 3/2009) geht mit dem Blick auf Gender-Fragen an das Thema heran.
Ihre erste Beobachtung: "Die Auslegungsgeschichte innerhalb des Judentums wie des Christentums kreist ... um die wiederkehrende kultische Unreinheit von Frauen während der Menstruation und im Gefolge von Geburten. Nach Lev 15 unterliegt jedoch der weibliche wie der männliche Körper Zeiten der Unreinheit d.h. der Kultabstinenz. Umgekehrt und positiv formuliert heisst dies aber auch, dass der geschlechtliche Körper auf den Kult bezogen ist" (S. 149)

Die (männerzentrierte) Auslegung hat also das Thema rein/unrein nur verkürzt wahrgenommen, als Problem v.a. von und für Frauen. In der katholischen Tradition hat man das Ritual der Aussegnung für Frauen erfunden, die geboren hatten, niemals ist aber eine Messe ausgefallen, weil der Priester in der Nacht zuvor einen Samenerguss hatte. Ich sehe vor meinem geistigen Auge gerade den entsprechenden Anschlag am Kirchenportal oder im Schaukasten...

Die positive Formulierung möchte ich gerne in meine weitere Lektüre mitnehmen: Körperlichkeit, Geschlecht, Sexualität sind mit dem religiösen Kult, also mit der Heiligkeit Gottes verbunden, sie wirken aufeinander ein.

Körper, die auf den Kult Gottes bezogen sind, können sich damit vielleicht auch leichter dem Körperkult entziehen. Erberle-Küster formuliert: "Levitikus lässt einen Körper entstehen, der nicht in der Selbstsorge aufgeht. Das Buch entwirft ein Körperbild, das sich nicht vermarkten lässt" (150). Leider entfaltet sie diesen Gedanken nicht weiter.

Erbele-Küster macht eine weitere wichtige Beobachtung: "Unreinheit ist ... keine Eigenschaft, die Menschen inhärent ist, vielmehr entsteht Unreinheit in der Praxis der Zuschreibung. Reinheit ist der Normalzustand" (150).
Im Hebräischen stammen die Worte für "rein" und "unrein" denn auch aus zwei verschiedenen Wortfamilien bzw. haben unabhängige Wurzeln.

Lektüreliste Juni 2011

von Peter Zürn — Letzte Änderung 10.06.2011 11:45

Was ich gelesen habe und empfehlen kann

 

Bruno Latour, Jubilieren. Über religiöse Rede. Suhrkamp Verlag 243 Seiten

Abbas Khider, Die Orangen des Präsidenten. Roman. Nautilus Verlag 2011 156 Seiten

Tamim Ansary, Die unbekannte Mitte der Welt. Globalgeschichte aus islamischer Sicht. Campus Verlag 2010 368 Seiten

A.P. & A.H. Hüttermann, am Anfang war die Ökologie. Naturverständnis im Alten Testament. Verlag Antje Kunstmann 2002 189 Seiten

David Berger, Der heilige Schein. Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche. Ullstein Verlag 2011 299 Seiten

Silja Walter, Das dreifarbene Meer. Meine Heilsgeschichte -eine Biografie. Paulusverlag 2. Aufl. 2009 207 Seiten

Raja Schehadeh, Wanderungen in Palästina. Unionsverlag 2011 250 Seiten

Guus Kuijer, Das Buch von allen Dingen. Oetinger Verlag 2011 95 Seiten (falls Sie aus irgendeinem Grund in diesem Jahr nur 1 Buch lesen, lesen Sie dieses!)

07.06.2011

"Ihnen ist klar, dass sie nur mit Hilfe der anderen überleben"

von Peter Zürn — Letzte Änderung 07.06.2011 21:30
Einsortiert unter:

Eine Erfahrung aus Haiti nach dem Erdbeben - ein Schlüsselsatz für die Bibel

In ihrem Buch über das Erdbeben in Haiti vor einem Jahr schreibt die Haitianerin Yanick Lahens einen Satz über Solidarität, der mir ein Schlüsselsatz für das Verständnis der Bibel zu sein scheint:
"Die Besitzlosen sind grosszügiger: Ihnen ist klar, dass sie nur mit Hilfe der anderen überleben. Also geben sie auch selbst" (zitiert nach Martin Ebel, Optimistin des Herzens in: Tages-Anzeiger vom 21.5.2011, S. 33). Das heisst:

Wir Menschen sind aufeinander angewiesen. Wir alle können nur mit Hilfe der anderen überleben. Das ist vom ersten Tag unseres Lebens an so. Zu Beginn unseres Lebens (und oft auch am Ende) ist es deutlich erfahrbar. Dazwischen geht es manchmal vergessen und zwar je leichter, je "erfolgreicher" (reicher, mächtiger, stärker) wir im Leben sind.
Das ist der Hintergrund des zentralen biblischen Satzes:
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst aus dem Buch Levitikus (19,18), der mehrfach innerbiblisch zitiert wird. Jesus setzt sich mit diesem Satz im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10) auseinander.
Der Satz wäre besser übersetzt mit:
"Sei solidarisch mit deinem Nächsten, er ist wie du".
"Sei solidarisch...", denn für Liebe im modernen Sinn des Wortes lässt sich keine Anweisung geben. "Er ist wie du..." heisst, auch er, wie du, kann ohne diese Solidarität, diese Hilfe von anderen nicht (über-)leben.
Diese Weisung gilt für alle, vor allem aber für die Stärkeren, Mächtigeren, Reichereren, die diesen existentiellen Grundsatz eher mal vergessen - siehe das Beispiel Haiti.
Sie gilt aber auch deswegen besonders für sie, weil sie mehr Möglichkeiten haben und damit auch mehr Verantwortung in der Gesellschaft haben.
Deswegen richten sich die Zehn Gebote zunächst einmal an die Menschen - damals Männer - die Besitz und Macht haben (Sklaven, Vieh, Haus...) und damit mehr Verantwortung auch für Andere tragen.
Deswegen richten sich viele biblische Geschichten an ältere Brüder, die in der damaligen Gesellschaft begünstigt waren (Erstgeburtsrecht...). Sie sollen ihrem jüngeren Bruder nichts missgönnen, sondern ihn unterstützen, denn letztlich sind sie wie er:
Kain und Abel, der ältere Sohn des barmherzigen Vaters...
Deswegen richtet sich die prophetische Kritik in erster Linie an die Macht- und Verantwortungsträger in der Gesellschaft.
Deshalb ist es ein roter Faden durch die Bibel für "Witwen und Waisen" einzutreten. Sie verkörpern die schwächsten Glieder in der Gesellschaft, die ohne Solidarität der Anderen nicht leben können.
Wir alle sind wie sie.

01.06.2011

Kain und Levitikus

von Peter Zürn — Letzte Änderung 01.06.2011 21:05
Einsortiert unter:

Hätte Kain doch Levitikus gelesen... Oder ist Levitikus 4-5 eine Botschaft für Kain?

Die Opferregeln im Buch Levitikus dienen der Bewältigung von Verunsicherung in der Gottesbeziehung, die Regelungen in Lev 4-5 entfernen sogar ausdrücklich Verunsicherungen, die ohne Absicht entstanden sind und trotzdem da sind und wirken. Sie sind eine Form der Psychohygiene und haben eine therapeutische Funktion. Sie machen die Entfernung alles
Damit steht das Buch Levitikus im Gespräch mit der Geschichte von Kain und Gott in Gen 4. Dort spricht Gott zu Kain, der in seiner Beziehung zu Gott überaus verunsichert ist und dessen Blick sich senkt - tragischer oder ironischerweise gerade durch ein Opfer - und sagt ihm: "Wenn du recht tust, darfst du aufblicken". Diese Botschaft kommt bei Kain nicht an. Lev 4-5 ist eine neue Botschaft und ein neues Angebot für Kain, sinnenfälliger diesmal.

"Der Kult ist für den Menschen da"

von Peter Zürn — Letzte Änderung 01.06.2011 21:05
Einsortiert unter:

Die Opferregeln des Buches Levitikus folgen der Idee der Menschenfreundlichkeit. Sie dienen der Bewältigung von existentieller Unsicherheit und der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft

Mit dem Titel, der das bekannte Jesus-Wort vom Sabbat, der für den Menschen da ist, abwandelt und auf den Opferkult bezieht, liest Thomas Hieke (in Bibel und Kirche 3/2009 s. 141-147) die Kapitel 1-10 des Buches Levitikus und kommt zur Erkenntnis, dass ihnen "die Idee der Menschenfreundlichkeit innewohnt".
- das beginnt mit Lev 1,2, einer grundlegenden Aussage, die für die ersten drei Kapitel gilt, der Freiwilligkeit: "wenn ein Mensch eine Darbringung darbringen möchte...". Freiwillige, am Bedürfnis der Menschen ansetzende Bestimmungen stehen am Anfang. Bringen kann das Opfer ausserdem jede Frau und jeder Mann.
- Lev 1 regelt ausserdem, dass der materielle Wert des Opfers sehr unterschiedlich sein kann (vom Rind bis zur Taube), dass aber auch das Taubenopfer ein vollwertiges Opfer ist, also ist "der Arme ... genauso viel wert wie der reiche Viehzüchter".
- die Entsündigungs- und Entschuldigungsopfer von Lev 4 und 5 reagieren darauf, dass Menschen sich in ihrer Beziehung zu Gott tiefgreifend verunsichert fühlen können, auch wenn sie gar nicht absichtlich irgendetwas "Frevelhaftes" begangen haben. Die beschriebenen Opfer ent-fernen alles, was die Beziehung stören kann.

- das Entschuldigungsopfer, bei dem im Gegensatz zum Entsündigungsopfer ein materieller Schaden entstanden ist, regeln, dass vor dem Opfer dieser Schaden ersetzt werden muss.
- die Opfer setzen die "aufrechte Gesinnung" der opfernden Person voraus. Sie wird in der korrekten Durchführung und in der Fehlerlosigkeit des verwendeten Opfer"materials" sichtbar. Darauf -so Levitikus - reagiert Gott mit Wohlgefallen"Wer glaubt, seine religiösen Bedürfnisse auf billige Weise befriedigen zu können, wird das erhoffte Wohlgefallen bei Gott nicht finden".
- die Opfer generell, nicht nur die in Lev 4-5 beschriebenen, dienen der Bewältigung von Verunsicherung. Gott selbst bietet dafür ein Verfahren an, das auf der subjektiven Seite gleichsam die therapeutische Funktion der Psychohygiene hat und auf der sozialen Seite die Reintegration der betroffenen Person in die feiernde Gemeinschaft bewirkt. Im Opfer wird die Wiederherstellung der "normalen" Gottesbeziehung sinnenfällig erfahren (Hieke 145f.)
- die Priester dienen als Vermittler in diesem Geschehen, sie übernehmen dadurch auch ein grösseres Risiko, aber grundsätzlich ist für jede/n Israelitin/en klar, wo und wie sie Gott begegnen können. Es gibt keine Esoterik, kein Geheimwissen, keine Arkan-Disziplin. Durch den öffentlichen Charakter ist auch klar, dass es keine Privatkulte und selbsterfundenen Opferfeiern gibt.

So muss man den Anfangssatz vielleicht noch präzisieren: der Kult ist für den Menschen in seinem sozialen Umfeld da.

Autoren

Peter Zürn

Standort: Zürich
Peter Zürn
Tag Cloud