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Rein und unrein - Lektüre von Levitikus 11-15 (2)

von Peter Zürn — Letzte Änderung 10.06.2011 10:56
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Die Reinheitsvorstellungen bringen zum Ausdruck, dass Körperlichkeit, Geschlecht, Sexualität, Fruchtbarkeit etwas mit dem Kult und mit Gott zu tun haben. Sie betreffen Frauen und Männer. Viel zu selten ist in der Geschichte des Christentums eine Messe ausgefallern, weil der Priester in der Nacht davor einen Samenerguss hatte.

Dorothee Erberle-Küster (in Bibel und Kirche 3/2009) geht mit dem Blick auf Gender-Fragen an das Thema heran.
Ihre erste Beobachtung: "Die Auslegungsgeschichte innerhalb des Judentums wie des Christentums kreist ... um die wiederkehrende kultische Unreinheit von Frauen während der Menstruation und im Gefolge von Geburten. Nach Lev 15 unterliegt jedoch der weibliche wie der männliche Körper Zeiten der Unreinheit d.h. der Kultabstinenz. Umgekehrt und positiv formuliert heisst dies aber auch, dass der geschlechtliche Körper auf den Kult bezogen ist" (S. 149)

Die (männerzentrierte) Auslegung hat also das Thema rein/unrein nur verkürzt wahrgenommen, als Problem v.a. von und für Frauen. In der katholischen Tradition hat man das Ritual der Aussegnung für Frauen erfunden, die geboren hatten, niemals ist aber eine Messe ausgefallen, weil der Priester in der Nacht zuvor einen Samenerguss hatte. Ich sehe vor meinem geistigen Auge gerade den entsprechenden Anschlag am Kirchenportal oder im Schaukasten...

Die positive Formulierung möchte ich gerne in meine weitere Lektüre mitnehmen: Körperlichkeit, Geschlecht, Sexualität sind mit dem religiösen Kult, also mit der Heiligkeit Gottes verbunden, sie wirken aufeinander ein.

Körper, die auf den Kult Gottes bezogen sind, können sich damit vielleicht auch leichter dem Körperkult entziehen. Erberle-Küster formuliert: "Levitikus lässt einen Körper entstehen, der nicht in der Selbstsorge aufgeht. Das Buch entwirft ein Körperbild, das sich nicht vermarkten lässt" (150). Leider entfaltet sie diesen Gedanken nicht weiter.

Erbele-Küster macht eine weitere wichtige Beobachtung: "Unreinheit ist ... keine Eigenschaft, die Menschen inhärent ist, vielmehr entsteht Unreinheit in der Praxis der Zuschreibung. Reinheit ist der Normalzustand" (150).
Im Hebräischen stammen die Worte für "rein" und "unrein" denn auch aus zwei verschiedenen Wortfamilien bzw. haben unabhängige Wurzeln.

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