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Streunereien (1)

von Peter Zürn — Letzte Änderung 22.05.2011 09:05
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Driften und Streunen durch Erlebtes und Erlesenes. Ziel? Offen.

Meine Streuenereien beginnen an den "Grastriften" von Psalm 23,2 in der Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig, wo ich mich bei einem Bibliodrama in der Propstei Wislikofen zu diesem Text niederliess: "Auf Grastriften lagert er mich...". Von den "Triften" zum streunenden Driften ist es nicht weit. Los geht's...

Hin zum griechisch-römischen Philosophen und Historiker Plutarch:
"Nicht in Städte und Völker gesondert und nicht nach nur örtlich geltendem Recht sollen wir leben. Wir sollen vielmehr alle Menschen als Mitbürger und Landleute betrachten, eine Lebensweise und eine Ordnung soll gelten - wie bei einer Herde, die auf gemeinsamer Trift weidet. "
Zitiert nach Bernhard Lang. Jesus der Hund. Leben und Lehre eines jüdischen Kynikers, Beck Verlag München 2010 S. 9.
Ein Gebrauch des Bildes von der Herde, der Welt-Weite atmet. Kannte Plutarch (45-125 n.u.Z.) den Psalm 23?

Von Jesus, dem Hund zu Bob Dylan:
"If dogs run free, then why not we
Across the swooping plain?
My ears hear a symphony
Of two mules, trains and rain.
The best is always yet to come,
That’s what they explain to me.
Just do your thing, you’ll be king,
If dogs run free.

If dogs run free, why not me
Across the swamp of time?
My mind weaves a symphony
And tapestry of rhyme.
Oh, winds which rush my tale to thee
So it may flow and be,
To each his own, it’s all unknown,
If dogs run free.

If dogs run free, then what must be,
Must be, and that is all.
True love can make a blade of grass
Stand up straight and tall.
In harmony with the cosmic sea,
True love needs no company,
It can cure the soul, it can make it whole,
If dogs run free."
Das jazzige Lied stammt vom Album New Morning von 1970.
Der Theologe Knut Wenzel schreibt dazu: "Wer ... durch die Nacht der Lieder von Bob Dylan streift, gewinnt ohnehin den Eindruck, stets von Tieren begleitet zu sein ... Das Tier in Gesellschaft des Menschen bezeichnet dessen Einsamkeit"
Knut Wenzel, HoboPilgrim. Bob Dylans Reise durch die Nacht, Grünewaldverlag 2011, S. 22.
Von Jesus heisst es im ältesten Evangelium, dem nach Markus, gleich zu Beginn:
"Danach trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm." (Mk 1,12-13)
Hier schliesst sich kein Kreis - von der Bibel zur Bibel. Es wird eher eine erste Spiralbewegung sichtbar. Das Driften kommt wieder in die Nähe der Triften.

Artikelaktionen

Jesus, die Tiere und die Engel

Kommentar von Dieter Bauer am 24.05.2011 21:52
Es ist lustig, aber gerade über Mk 1,12-13 habe ich die erste Seminararbeit meines Lebens geschrieben (bei Gerhard Lohfink). Und schon damals hat mich die Doppeldeutigkeit dieser Situation in der Wüste fasziniert. Die einen Ausleger sahen den Gegensatz von Engeln und wilden Tieren, die anderen sahen das wiederhergestellte Paradies, wo die wilden Tiere stressfrei mit dem "Menschen(sohn)" lagern.
Ich habe mich damals für die erste Deutung entschieden, weil das Alte Testament die Wüste überwiegend als Raum der Bedrohung ansieht und die wilden Tiere zu diesem Setting dazu gehören.
Heute würde ich das lieber offen lassen: ob die "Tiere" zu Feinden werden, ist genau so offen, wie die Frage, ob die Engel da sind, wenn man sie braucht. Jesus, die Tiere und die Engel, so stelle ich mir den historischen Jesus vor. Und "gut und böse" ist damit noch längst nicht geklärt, sondern muss sich erst noch weisen.
Bei Bob Dylan scheint mir das im Übrigen ganz ähnlich zu sein.

Jesus, die Tiere und die Engel

Kommentar von Peter Zürn am 27.05.2011 11:20
Zu dieser Doppeldeutigkeit oder Offenheit in der Wahrnehmung des Textes, der Welt, Gottes... komme ich wieder über die frei laufenden/streunenden Hunde durch eine Reflexion von Jürgen Ebach (SchriftStücke 35f): "Zuweilen kommt mir auf dem Weg ein mordlustig aussehender Hund entgegen. Während ich angstvoll dem Unheil ins Auge sehe, ruft die Stimme eines ... "Herrchens": "Der ist lieb." Und sehr oft folgt als weiterer Satz: "Der tut nichts." Die vertraute Wortwahl erlaubt verblüffende Rückschlüsse auf die Rede vom "lieben Gott". "Der ist lieb. der tut nichts." ... Vor dem lieben Gott muss man keine Angst haben - er tut nichts" Und Ebach folgert messerscharf: "Wer Gott auf das Lieb-Sein vermindert, befördert die Karriere des Teufels, der für all das zuständig ist, das nicht "lieb" ist. je lieber Gott bleiben soll, desto mächtiger muss der Teufel werden ... An den lebendigen Gott zu glauben, heisst darum, gegen seine - oder ihre - Reduzierung auf den "lieben Gott" zu streiten."

Erste Seminararbeit

Kommentar von Thomas Markus Meier am 28.05.2011 10:34
Wie sich machne Liebhabereien ähneln! Auch meine erste schriftliche Arbeit ging zu Jesus in der Wüste mit den Tieren - damals sogar noch handgeschrieben....
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