Jesus
20.11.2012
Was steht zwischen Jesus und Christus?
Im Hebräischen ist Jesus Christus/Messias ein Nominalsatz und kann durch "ist" verbunden werden. Oder durch andere Verben. Oder durch eine ganze Geschichte. Welche?
für Willy Dober
Der Kreuz- und Querdenker Willy Dober hat mir das Buch eines anderen Kreuz- und Querdenkers vermacht: Heinz Rothenbühler, Abraham inkognito. Einführung in das althebräische Denken (Selbstverlag Rothenburg LU 1998). Darin gibt es das wunderbare Kapitel 10: Ein Versuch, Theologische Fragen "hebräisch" anzugehen. Und dort heisst es:
"Jesus - Christus, Jesus - Messias, kann als Nominalsatz aufgefasst werden. Im Deutschen darf man die beiden Namen mit der Kopula "ist" verbinden, die im Hebräischen fehlt. "Jesus ist der Christus, Jesus ist der im Alten Testament verheissene Messias".
Und dann geht es herausfordernd weiter:
"Gläubige Christen könnten neue Glaubenserfahrungen machen, wenn sie von Jesus, dem Messias, nicht in den versteinernden Kategorien des Seins, sondern in den belebenden Kategorien des Werdens reden und sagen wollten: Jesu ist für uns zum Messias geworden. Denn Seiendes, hebräisch verstanden, ist geworden; kondensiertes Geschehen. Ergebnis einer Entwicklung, Frucht eines Reifens und Wachsens, Ergebnis einer Auseinandersetzung."
Die Grammatik schafft dafür Raum:
Der hebräische Nominalsatz muss nicht durch eine Form von "sein verbunden werden. "Der Nominalsatz lässt es dem Gesprächspartner frei, die Nomina durch andere Verben zu ersetzen. Der Nominalsatz erlaubt es sogar, in Gedanken durch eine ganze Geschichte von einem Nomen zum anderen zu führen."
Und das tut Rothenbühler so:
"Jesus hat zögernd, nach langen Auseinandersetzungen mit sich und seinen Mitmenschen, fast wider seinen Willen, die ihm von Johanes dem Täufer und dann vor allem vom hilfsbedürftigen geringen Volk zugemutete Rolle des Messias übernommen, sie aber umgeschrieben, sie auf das Menschenmögliche und Menschenbekömmliche reduziert und sie nciht zur Zufriedenheit seiner Zeitgenossen gespielt, so dass er daran gescheitert ist. Aber trotz seines Scheiterns nennen wir ihn den Messias, womit für uns sein ganzer Werdegang, sein Lehren, Tun und Leiden namhaft und entscheidend wird."
(alle Zitate S. 176f.)
Meine Frage: Welche Verben, Worte, Geschichten stehen für dich/Sie zwischen Jesus und Messias?
23.09.2011
Gott bewahre? Lesen!
The second coming of the life of Brian! Nur besser wegen vieler ernster Momente voller Glaube, Hoffnung und Liebe.
1000mal berührt- naja, etwa 5mal in der Buchhandlung in der Hand gehabt. 1000mal (5x) ist nichts passiert - naja, es ist schon etwas passiert: Ich dachte, es sei einer mehr von diesen zahllosen Bibel- bzw. Jesuskarikaturen mit lockeren Sprüchen, die nach dem ersten Lesen schon schal werden. Das Titelbild mit dem Polizeifoto eines typischen Jesus mit dem Joint in der Hand, aus dessen Rauch sich ein Heiligenschein bildet (und erst der Text auf der Rückseite!), fördern diesen Verdacht leider auch massiv.
Zum Glück lag es dann in der Stadtbibliothek und ich hab's gelesen und ich kann es weiterempfehlen: Lesen!:
John Niven, Gott bewahre. Roman, Heyne Verlag München 2011, 400 S.
Klar ist manches ärgerlich:
dass die Bibel so schlecht wegkommt: naja. Was von der biblischen Weisung bleibt, ist denn auch nur das eine an der Grenze zhur Lächerlichkeit angesiedelte Gesetz "seid lieb" (hoffentlich ist die englische Originalformulierung besser); immer wieder sind es die übelsten Typen, die sich für ihr entsetzliches Denken und Handeln auf die Bibel berufen und man muss zugeben: weit her geholt ist das leider ganz und gar nicht.
dass Moses so verteufelt wird: schon schlimmer, da steckt leider viel antijüdisches Potential drin;
dass die Rahmenhandlung im Himmel etwas unlogisch ist - sie geht davon aus, dass sich die Welt bzw. das was die Menschheit daraus gemacht hat, zwischen 1609 und 2011 so massiv verschlimmert hat, dass Gott geradezu geschockt ist: All die Millionen Gewaltopfer vor 1609 müssten sich fragen, wie blauäugig Gott denn zu ihrer Zeit die Welt betrachtet hat.
Aber darum geht es nicht, denn das Buch erzählt ja von unserer Gegenwart. Es spielt eine Geschichte durch, die schon x-mal durchgespielt wurde. Was wäre, wenn Jesus Christus wieder auf die Welt kommen würde. "The Second Coming" ist denn auch der Originaltitel.
Einige Szenen sind einfach wunderbar komisch, völlig political incorrect und von Monty Pythons Leben des Brian inspiriert:
als Gott sich nach 400 Jahren Ferienabwesenheit (eine Woche himmlische Zeit) von Matthäus auf den neuesten Stand in Sachen Christentum bringen lässt, zum Beispiel. Über die 38'000 verschiedenen christlichen Kirchen weltweit zum Beispiel oder über den Kreationismus. Da liegt man mit den Heiligen im Himmel auf dem Boden und heult vor Lachen...
oder die Szene in der Hölle, genauer im Restaurant in der Hölle, wo der alzheimerkranke Ronald Reagan immer wieder an den Tisch kommt und neu nach der Bestellung fragt oder ein Tisch voller Rabbis beim Kellner Adol Hitler die kompliziertesten Bestellungen aufgibt...
Was mich begeistert, sind aber Szenen, in denen wirklich Wesentliches am christlichen Glauben und der theologischen Reflexion dieses Glaubens erzählerisch konsequent umgesetzt wird und so ganz neu nahe kommt und brisant wird:
Gott, der sich in seinem Sohn mit den Erniedrigten und Opfern von Gewalt solidarisiert - in der Szene, in der Jesus im Gefängnis von Mitgefangenen vergewaltigt wird.
Im Vertrauen auf Gottes Sorge miteinander zu leben: ein Wunder - als Jesus und seine Freundinnen und Freunde in New York, obwohl sie eigentlich das Geld dafür gar nicht haben (Jesus hat seine Gitarre im Pfandhaus versetzt) , eine Party auf einem Dach feiern und Jesus bei einem Joint sinniert. "Richtig, diese ganze Wunder-Sache und vor allem das, was diese Scheiss-Christen daraus gemacht hatten, war Schachsinn. Aber in Momenten wie diesen, da verstand er, dass es manchmal nichts weniger als ein beschissenes Wunder war, wenn Menschen wie seine Freunde in einer Stadt wie dieser einen weiteren Tag unbeschadet überstanden hatten. Und nicht bloss überstanden: Immerhin sassen sie hier mit vollen Bäuchen und kalten Drinks, singend, schwatzend und lachend" (S.102).
Agape nach 1 Kor 13,4-7: nach Karl Barth lässt sich alles, was hier über die Liebe gesagt ist, auch über Jesus Christus sagen und der Jesus in John Nivens Buch lebt es: langen Atem, gütig (das Gute geniessend und verschleudernd), eifert nicht (ausser es ist wirklich nicht anders auszuhalten), prahlt nicht, bläht sich nicht auf, ist nicht taktlos, sucht nicht das ihre, trägt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles (bis zur Hinrichtung mit der Giftspritze, in Kreuzform ausgespannt).
Bei allen Jesusbüchern ist es so, dass die dargestellte Jesusgestalt doch sehr dem Autor bzw. der Autorin des Buches ähnelt. Der Papst z.B. sieht einen frommen, gescheiten und etwas einsamen Menschen.
John Niven, der als Manager eines Plattenfirma arbeitete und vermutlich all das, wofür Fernsehformate wie American Pop Star (Deutschland sucht den Superstar etc.) stehen, absolut widerlich findet, lässt seinen Jesus Gitarre spielen, bei American Pop Star mitmachen, ohne sich kaufen und brechen zu lassen und beinahe gewinnen. aber Schluss jetzt: Selber lesen!
Nur eines noch: Am Schluss des Buches gibt es etwas, das selbst Gott mit dem 21. Jahrhundert wenigstens etwas versöhnt: die Literatur (vertreten durch John Updike).
12.09.2011
Geburt und Tod - da fehlt doch was!
Während der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks am 2./3.9.2011 in St. Niklausen OW wurden mehrere Kirchen und Kapellen besichtigt - mit dem Blick darauf, was die Bilder und Statuen vom Leben Jesu erzählen. Der Befund: Vom Leben Jesu wird die Geburt bzw. die Kindheit und der Tod bzw. die Passion erzählt. Und dazwischen? War da was? Da fehlt doch was!
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DV bekamen den Auftrag zu malen, was ihnen am Leben Jesu zwischen Geburt und Tod wichtig ist. Die Bilder werden bald auf www.bibelwerk.ch zugänglich gemacht. Hier schon mal eine schriftliche Auflistung:
- Begegnungen
- Beziehungen
- Unterwegssein
- Achtsamkeit
- "gesunde" Autorität
- andre Form von Lehren (nicht belehrend)
- der 12jährige Jesus im Lehrhaus
- Viele Menschen aus Jerusalem - unter ihnen Jesus - lassen sich im Jordan taufen
- Jesus und der Satan legen die Bibel aus
- Erfahrungen mit dem Reich Gottes in Gleichnissen
- Begegnungen, Aufbrüche, gemeinsame Wege
- Lev 19,18 und Dtn 6
ReichgottesbeginnReichgottesbeginnReichgottesbeginnReichgottesbeginn...
(als Spirale geschrieben)
- Selig sind die...
- ... Menschenfischer
- Jesus unser Bruder
- Jesus unser Heil
- Jesus unsere Auferstehung
- Jesus der Schwierige
- Jesus unser Freund und Tröster
- Erkenntnis und Begleitung auf dem Weg nach Emmaus
- Jesus steckt seine Nase in die Schrift
Was würden Sie malen?

