Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Peter Zürn Zwölf oder Elf?
Navigation
 

Zwölf oder Elf?

von Peter Zürn — Letzte Änderung 13.07.2011 18:59

1000mal gelesen, aber nie hat es Zoom gemacht, bis ich die aktuelle Ausgabe der exegetischen Zeitschrift Texte und Kontexte (1-2/2011) gelesen habe, in der Andreas Bedenbender seine Erkenntnisse zum Markusevangelium zusammenträgt. Es geht um den Satz von Paulus aus dem 1. Korintherbrief 15,5 über die Erfahrungen der Jüngerinnen und Jünger nach dem Tode Jesu: "Er ist dem Petrus erschienen und dann den Zwölf". Aber welchen Zwölf? Hat sich Verräter Judas nicht umgebracht? Wurde nicht später  - nach der Himmelfahrt Jesu und also auch nach der Zeit der Erscheinungen, von denen Paulus schreibt - ein neuer zwölfter Apostel gewählt (Apg 1)?
Gut, vielleicht war die Vorstellung von den "Zwölf" so stark verbreitet, dass Paulus ohne gross nachzudenken von ihnen schreibt. Aber wenn nicht? Bedenbenders These: Es gab einen Verrat bzw. eine Auslieferung (vgl. 1 Kor 11,23), aber nicht durch einen Jünger oder gar durch einen Judas. Das wurde später erzählt, aus ganz bestimmten Gründen, die sich je nach evangelium unterscheiden. Für Markus zum Beispiel steht Judas Iskariot, Judas, der Sikarier d.h. der Dolchmann, für die Juden, die den Aufstand gegen die Römer mit Gewalt führten. Sie haben Jesus und die anderen Jüdinnen und Juden an die Gewalt der Römer ausgeliefert. Markus betont: trotzdem bleiben sie "einer der Zwölf", d.h. sie bleiben Teil des 12-Stämme-Volkes Israel.

Artikelaktionen

judas... ging an den ort, der ihm bestimmt war

Kommentar von Thomas Markus Meier am 15.07.2011 16:43
Wohl nicht von Ungefähr wurde die Judasfigur vor allem für Literaten spannend, ob mehrfach bei W. Jens (ein angestrengtes Heiligsprechungsverfahren), ob bei J.L.Borges (Judas als DIE Inkarnation Gottes, eben Kenosis Total: Gott wird Mensch im Allergeringsten, Allerverfemtesten).
Ich würde mich nicht wundern, hätte er sich mehr als all seine Kollegen den Himmel "verdient" - und wär ein erster der Heiligen. Wenns in der Apg heisst, er ging an den Ort, der ihm bestimmt gewesen sei, dann denk ich, das war ein guter Ort, der ihm betsimmt war. Jens: "Keine Überlieferung ohne den Überlieferer!"

13 apostel in der kunst

Kommentar von Thomas Markus Meier am 24.07.2011 19:10
http://www.landesmuseum.at/[…]/JOM_149a_0513-0524.pdf
hab obigen webtipp von einer kunstgeschichterin erhalten.
in der solothurner historienbibel (vom staal) beschreibt sie beim einzug in jerusalem eine figur als paulus, was ich sehr überraschend fand.
auf anfrage mailte sie mir, es gäbe im text keinen anlass dazu, evtl habe aber der künstler nur die figuren variieren wollen, und so den typus paulus genommen.
immerhin: könnte es sein, dass paulus jesus zu lebzeiten gesehn hätte, wenn auch nur von ferne?
hätte er das erwähnen können? oder verschweigen wollen? ideen?
Autoren

Peter Zürn

Standort: Zürich
Peter Zürn
Tag Cloud