„Etwas Gutes ist ein Psalm“
...so übersetzt die LXX (die antike griechische Übersetzung des Ersten Testaments) Psalm 147,1 (in der griechischen Zählung 156,1). Diese Woche endete eine Kursreihe von mir zu den Psalmen. In der Nachbereitung blätterte ich nochals in der „Bibel in gerechter Sprache“ - und zwei Anstreichungen darin gingen mir erneut zu Herzen. Beide Male gehts drum, was Psalmen (Hebräisch „tehilim“ / Loblieder) auch sind. Eben nicht nur Worte, Lieder, sondern mehr...
Und die Bibel in gerechter Sprache übersetzt näher am Hebräischen als die Einheitsübersetzung. Tönt so aber überraschend frisch und neu. Psalm 65,1: „Dir gebührt Lobgesang“ (EÜ). Luther schon genauer: „Gott, man lobt dich in der Stille“. Die BigS: „Für dich ist Stille Lobsgesang“. Im Hebräischen kurz und knapp etwa so: „Dir: Schweigen Lobpreis!“... Nicht das Beten in der Stille, sondern Stille als Beten. Erinnert mich an Zen, schweigen und sitzen, schweigen als beten. Etwas, das mir einerseits sehr einleuchtet, aber auch im Gebetsleben selten nur zur Praxis wird. Gerade drum hab ich Freude an der Akzentuierung der BigS, denn sie spricht mir sozusagen nicht aus der Seele, sondern in die Seele (dass sie eben nicht aus sich raus sprechen soll)... (Ganz zu schweigen davon, dass die Seele eigenlich die Kehle meint, und das Schweigen kein inneres ist, sondern ein „Hörbares“).
Jetzt noch Psalm 109,4. Wieder knäppstens ein, zwei Worte mit „tehila“ (Pslam) verbunden. EÜ: etwas gar ausführlich „christlich überhöhend“: „Ich bete für sie (meine Feinde)“. Luther genauer: „Ich aber bete.“ Im Hebräischen: We-ani Tehila: „und/aber-ich: Gebet“. BigS: „Ich aber - Gebet bin ich“. Dünkt mich existentieller: Selber Gebet sein. Als zu beten. Ähnlich der Stille. Es klingen nicht Worte an, sondern eine Haltung.
Etwas Gutes ist ein Psalm. Oder ich würd’s so sagen: ein Psalm ist mehr als ein Psalm.


Bubers "Stimme verschwebenden Schweigens"