Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Thomas Markus Meier Bei „Antike“ geht meist die erste Silbe „anti“ vergessen
Navigation
 

Bei „Antike“ geht meist die erste Silbe „anti“ vergessen

von Thomas Markus Meier — Letzte Änderung 11.02.2011 10:29
Einsortiert unter:

Etymologisch natürlich ein Blödsinn. Aber Trotzdem. Mir fällt alle paar Jahr wieder auf, dass wir von antiken Konzepten oft nur die eine Hälfte präsent haben. In der lukansichen Weihnachtsgeschichte heisst es, dass "alle Welt" geschätzt würde. Im Griechischen: die ganze Oikumene. Vielleicht auch nur hälftig angedacht?

ANTI-ke...

Was mein ich? Beispiel: Bekannt wohl der Amor. Griechisch der Eros. Zum Eros gehörte aber auch der Anteros. Zur Liebe gehört die Gegenliebe, wenn sie nicht ins Leere zielen soll. Wer einseitig verliebt war, dort traf nur der Pfeil Amors, nicht aber der von seinem Anti, seinem Gegenstück.

Ähnlich, aber etwas anders bei der Ökumene. Die war nicht einfach der gesamte bewohnte Erdkreis, sondern genau ein Viertel. Die Stoa kannte vier Erdteile: Durch Hitzegürtel unerreichbar von uns, der Oikumene weg, mit gleichen Tag- und Nachtzeiten zwar, aber andern Jahreszeiten: die Antökumne.

Auf der Rückseite der Erdkugel mit entgegengesetzten Tag- und Nachtzeiten, aber identischer Jahreszeit die Periökumne, und dazu dann – am verschiedensten von uns: der Antichthonenkontinent. Dort wohnen unsere Antipoden.

Die Ökumene war also die bewohnte Welt, die bekannt war. Aber gewusst wurde von Dreivierteln mehr. Die "ganze Welt" die geschätzt wurde war die bekannte Welt. Viele wussten aber, dass jenseits der Grenzen noch anderes war. Drei andre Welten. Heute ist die "ganze Welt" gross, bunt, vielfältig, aber erreichbarer. Vielleicht "Ökumene" so erweiterbar: Dass jenseits der Grenzen unseres Hauses anderes ist. Das auch geschätzt werden darf. Nicht steuertechnisch halt, sondern geschätzt im Sinne des Wohlwollens.

 

Artikelaktionen

Weltfremde Ökumene

Kommentar von Peter Zürn am 11.02.2011 19:29
Eine sehr erhellende Erweiterung meines Weltbildes. Für die vorherschende kirchliche Ökumenebewegung, die sich auf die Beziehungen zwischen Kirchen bezieht, kann das heissen, dass sie dabei weitgehend weltfremd bleibt.

Weltfremde Ökumene

Kommentar von Angela Wäffler-Boveland am 09.03.2011 13:34
ich bin dafür, den Begriff "Oekumene" nicht beliebig auszuweiten:
der Interreligiöse Austausch ist mir wichtig und sollte vorangetrieben werden;
aber Oekumene - auch wenn das Wort die ganze bekannte Welt meint - hat sich Wirkungsgeschichtlich als innerchristliches Zusammengehörigkeitsbewusstsein eingebürgert.
ich tue mich gelegentlich schwer damit, wenn wir vor lauter interreligiöser Neugier und Offenheit die geschwisterlichen Themen ausgrenzen.
also fordere ich das eine wie das andere zu tun, es aber als Beziehungsweg auch sprachlich zu unterscheiden.
Aber klar: wo wir Reformierten von Rom her gar nicht als christliche Kirche gelten, da gibt es keinen Unterschied zwischen Oekumene und interreligiösem Dialog...
 

Sorge tragen zu Begriffen

Kommentar von Thomas Markus Meier am 10.03.2011 12:50
So gefällts mir: Eine Kontroverse...
Was mir weniger gefällt, der postulierte fehlende Differenzierungswille Roms.
Ich bin alles andre als Fan aktueller Kirchenpolitik...
Aber das muss mann/frau "Rom" schon zugestehen: dass sie sehr wohl den Unterschied zwischen "Ökumene" und "interreligiösem Dialog" kennen. Für das Konzilsdekret "nostra aetate" bin ich dankbar! Und wünschte mir gar etwas ähnliches von protestantischer Seite. Da ist die Bandbreite ja weit - rsp. bei einigen sehr eng - ohne Christus gibts da nix. Die Ökumene im Himmel ist dort via Heiland möglich. Ich kann mir vorstellen, dass das Heil Gottes aber auch die Ökumene (irdisch wie jenseitig) übersteigt.

Einig bin ich: Zu Begriffen ist Sorge zu tragen.
Sicher: Ökumene bezieht sich heute auf die Kirchen. Es gibt "Arbeitsgemeinschaften christlicher Kirchen" - ist da da "christlich" nicht überflüssig?

Kung Fu Dse meinte, die Welt zu verbessern begänne mit dem "In Ordnung bringen" der Begriffe... Beispiel 1): Heute wird gelästert über die "Gutmenschen". Wer nicht nur das Schlechte sieht, gilt als naiv, gutgläubig, weltfremd... Früher galten Menschen, die weiter ans Gute glauben, die mitarbeiten an einer besseren Welt, geradzu als "christlich", im positiven Sinn. Heute wird "vernütigt", was fürs Gute einsteht, und gar diffamiert.
Beispiel 2) ein Unwort ist der "Trialog" - der Dialog von Judentum-Christentum-Isam... Korrekt wär etymologisch, wenn schon, der trilineare Dialog. Denn Dialog hat nix mit zwei zu tun, sondern mit "durchs Wort". Insofern zwar alltagspraktisch, der "Trialog", aber ein eigentlich unsinniges Wort. Ich verwends nicht. Und bei Ökumene brauch ichs im Alltagssinn (für den Dialog unter Kirchen / ChristInnen), aber es erweitert mir doch Herz und Hirn, zu wissen, was mal damit gemeint war.

Übrigens: An der Bischofsweihe von Bischof Gmür war immer die Rede von der reformierten Schwester-Kirche... Hier vor Ort geltet ihr als Kirche - es brächte da eine Blickerweiterung, ein gnaueres Hinschauen halt doch in Rom. Urbi et orbi sind vielleicht eben doch weiter, als der eigne Horizont!!!
Autoren

Thomas Markus Meier

Standort: Obergösgen
Thomas Markus Meier
Tag Cloud