Bei „Antike“ geht meist die erste Silbe „anti“ vergessen
Etymologisch natürlich ein Blödsinn. Aber Trotzdem. Mir fällt alle paar Jahr wieder auf, dass wir von antiken Konzepten oft nur die eine Hälfte präsent haben. In der lukansichen Weihnachtsgeschichte heisst es, dass "alle Welt" geschätzt würde. Im Griechischen: die ganze Oikumene. Vielleicht auch nur hälftig angedacht?
ANTI-ke...
Was mein ich? Beispiel: Bekannt wohl der Amor. Griechisch der Eros. Zum Eros gehörte aber auch der Anteros. Zur Liebe gehört die Gegenliebe, wenn sie nicht ins Leere zielen soll. Wer einseitig verliebt war, dort traf nur der Pfeil Amors, nicht aber der von seinem Anti, seinem Gegenstück.
Ähnlich, aber etwas anders bei der Ökumene. Die war nicht einfach der gesamte bewohnte Erdkreis, sondern genau ein Viertel. Die Stoa kannte vier Erdteile: Durch Hitzegürtel unerreichbar von uns, der Oikumene weg, mit gleichen Tag- und Nachtzeiten zwar, aber andern Jahreszeiten: die Antökumne.
Auf der Rückseite der Erdkugel mit entgegengesetzten Tag- und Nachtzeiten, aber identischer Jahreszeit die Periökumne, und dazu dann – am verschiedensten von uns: der Antichthonenkontinent. Dort wohnen unsere Antipoden.
Die Ökumene war also die bewohnte Welt, die bekannt war. Aber gewusst wurde von Dreivierteln mehr. Die "ganze Welt" die geschätzt wurde war die bekannte Welt. Viele wussten aber, dass jenseits der Grenzen noch anderes war. Drei andre Welten. Heute ist die "ganze Welt" gross, bunt, vielfältig, aber erreichbarer. Vielleicht "Ökumene" so erweiterbar: Dass jenseits der Grenzen unseres Hauses anderes ist. Das auch geschätzt werden darf. Nicht steuertechnisch halt, sondern geschätzt im Sinne des Wohlwollens.


Weltfremde Ökumene